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Climate Innovation.NRW ist das neue Fokuszentrum zur Förderung der Klimakompetenzen von Start-ups sowie der Gründungsberatung an Hochschulen in Nordrhein-Westfalen. Es ist an der Universität zu Köln angesiedelt und hat am 1. Januar 2026 seine Arbeit aufgenommen. Gemeinsam mit dem Nachhaltigkeitsbüro der Uni Köln und seinen Kooperationspartnern – dem Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie und dem Energiewirtschaftlichen Institut (EWI) der Universität zu Köln – unterstützt das Fokuszentrum Hochschulen und Gründungsteams dabei, Klimaschutz und Nachhaltigkeit frühzeitig in Geschäftsmodelle zu integrieren und die Anzahl grüner Gründungen in NRW zu erhöhen. Im Interview sprechen die Projektleiterin, Daniela Hellfritsch, und die Programm-Managerin des Expert Hubs, Miriam Fußangel, über die Startphase von Climate Innovation.NRW, erste Erfolge und die weitere Entwicklung des Fokuszentrums.
Frau Hellfritsch, das Fokuszentrum Climate Innovation.NRW ist nicht auf der grünen Wiese entstanden. Die Uni Köln hat mit ihrem Gateway Exzellenz Start-up Center (Gateway ESC) bereits jede Menge Erfahrungen im Bereich der Gründungsberatung und -begleitung. Auch bei Start-ups der Green Economy?
Hellfritsch: Es stimmt, wir haben als Gateway Exzellenz Start-up Center bereits jahrelange Erfahrung in der Gründungsberatung. Darauf können wir natürlich aufbauen. Allerdings hatten wir bisher keinen expliziten Schwerpunkt im Bereich Klima und Nachhaltigkeit. Mit den Erfahrungen des Gateway ESC, dem Nachhaltigkeitsbüro und unseren Partnern,
dem Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie und dem Energiewirtschaftlichen Institut an der Uni Köln, EWI, haben wir die besten Voraussetzungen, uns mit Climate Innovation.NRW genau in diesem Bereich zu etablieren.
Wie möchten Sie den Anteil an Gründungen mit nachhaltigen Geschäftsmodellen erhöhen?
Hellfritsch: Wir konzentrieren uns auf zwei Maßnahmen: Zum einen sind wir gerade dabei, den Climate Innovation Expert Hub aufzubauen, eine Community mit Akteurinnen und Akteuren aus Hochschulen, Initiativen, Unternehmen und Kommunen. Zum anderen haben wir mit maßgeblicher Unterstützung des Wuppertal Instituts und des EWI das Qualifizierungsprogramm Climate Impact Qualification auf den Weg gebracht, das Klimakompetenzen für Start-ups und Gründungsberaterinnen und -berater vermittelt.
Beiden Maßnahmen ging eine Bedarfsanalyse voraus, die wir in Zusammenarbeit mit dem KI-Fokuszentrum AICE.NRW (TU Dortmund/Uni Bonn) an allen Gründungszentren der Hochschulen in NRW durchgeführt haben.Darüber hinaus haben wir mit Mitarbeitenden der hochschuleigenen Gründungszentren Tiefeninterviews geführt. Dabei wurde deutlich, dass die Themen Klima und Nachhaltigkeit zwar durchaus als relevant angesehen werden, aber in der Gründungsberatung bislang kaum eine Rolle spielen.
Der Aufbau von Climate Innovation.NRW wird mit rund 1,3 Millionen Euro gefördert. Die Finanzierung erfolgt zwischen 2026 und 2028 durch das Land Nordrhein-Westfalen und die Europäische Union aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) im Rahmen der Fördermaßnahme „Start-up Fokuszentren.NRW“.
Was genau meinen Sie, wenn Sie sagen, dass Klima und Nachhaltigkeit in der Gründungsberatung kaum eine Rolle spielen?
Hellfritsch: Klima- und Nachhaltigkeitsaspekte sind in vielen Gründungszentren noch nicht strukturell verankert. Hinzu kommt, dass diese Themen in der Öffentlichkeit an Bedeutung verloren haben und auch nicht mehr auf der politischen Agenda ganz oben stehen. Und dass sich die meisten Gründerinnen und Gründer erst einmal darauf konzentrieren, ein ökonomisch tragfähiges Geschäftsmodell zu entwickeln, ist verständlich. Nachhaltigkeit und Klimaschutz werden da oft als „nice to have“ angesehen. Tatsächlich sind sie aber ein „must have“ und vor allem ein potenzieller Wettbewerbsvorteil. Deshalb sehen wir es als unsere Aufgabe an, dafür zu sensibilisieren, das Thema von Anfang an mitzudenken.
Und wie überzeugen Sie Gründungsberatende und Gründungsteams davon, Klima- und Nachhaltigkeitsaspekte frühzeitig mitzudenken?
Hellfritsch: Dafür sprechen vor allem drei Argumente: Erstens gibt es gesetzliche Regularien, die durchaus auch Start-ups betreffen können. Wer etwa große Unternehmen als Kunden gewinnen möchte, muss wissen, dass diese Unternehmen zur jährlichen Nachhaltigkeitsberichterstattung verpflichtet sind. Dabei wird die gesamte Wertschöpfungskette betrachtet. Start-ups, die als Zulieferer auftreten, müssen daher die Anforderungen kennen, die in solchen Berichten eine Rolle spielen.
Ein weiterer Grund, sich frühzeitig mit dem Nachhaltigkeits- und Klimaimpact seines Geschäftsmodells zu beschäftigen, ist das Risikoprofil des zukünftigen Unternehmens. Das spielt nicht zuletzt für Versicherungen eine wichtige Rolle. Das bedeutet: Bestimmte Nachhaltigkeitskriterien müssen im Sinne der Vorsorge von Anfang an erfüllt sein.
Des Weiteren achten immer mehr Investorinnen und Investoren auf die nachhaltige Ausrichtung von Start-ups. Damit meine ich keineswegs nur sogenannte Impact-Investorinnen und -Investoren, die grüne Geschäftsmodelle finanzieren. Auch bei „klassischen“ Kapitalgebern steht die Frage der Nachhaltigkeit und vor allem der potenziellen CO2-Einsparung im Raum.
Das ist interessant. Obwohl Nachhaltigkeit und Klimaschutz in Medien und Politik derzeit weniger präsent sind, spielen sie für Investorinnen und Investoren eine wichtige Rolle?
Hellfritsch: Ja, immer mehr Investorinnen und Investoren gehen davon aus, dass die Themen nicht an Relevanz verloren haben, zumal die Folgen von Klimaveränderung, Ressourcenknappheit usw. immer deutlicher werden. Wir erleben zwar gerade eine vorübergehende Phase, in der andere Dinge im Vordergrund stehen. Viele Investorinnen und Investoren achten dennoch darauf, dass sich Start-ups frühzeitig mit umweltbezogenen Risiken auseinandersetzen und passende Strategien entwickeln. Dies konnte u. a. als Konsens aus dem diesjährigen Green Angels Summit NRW 2026 mitgenommen werden.
Frau Fußangel, kommen wir zum Climate Innovation Expert Hub, der sich gerade im Aufbau befindet. Handelt es sich dabei um das hochschulübergreifende Netzwerk, das das Fokuszentrum entwickeln soll?
Fußangel: Ja, genau. Der Expert Hub ist als hochschulübergreifendes Netzwerk angelegt, das Akteurinnen und Akteure aus Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und der Start-up-Szene zusammenbringt. Ziel ist der Aufbau einer aktiven Community, in der sich Hochschulen, öffentliche Einrichtungen sowie Kommunen und Unternehmen einbringen.
Wir freuen uns sehr, dass es sogar schon erste Kooperationen zwischen dem Expert Hub und anderen Akteuren gibt. Zum Beispiel mit dem H2UB in Essen zum Thema Wasserstoff, dem Circular Valley sowie dem SET-Hub der Deutschen Energie-Agentur (dena) oder auch mit der RWTH Aachen Innovation und den zugehörigen Expert Hubs. Ergänzt wird das Netzwerk durch regionale Initiativen wie Impact Cologne oder Impact Düsseldorf.
Außerdem arbeiten wir eng mit unseren Kooperationspartnern hier an der Uni Köln zusammen. Dazu gehören das Gateway-Netzwerk mit seinen Hochschulen, Alumni und Ambassadors, das Prorektorat für Nachhaltigkeit sowie das Nachhaltigkeits- und das Transferbüro der Universität Köln. Letztere sind eng mit den entsprechenden Nachhaltigkeits- und Transferbüros der Hochschulen in Nordrhein-Westfalen vernetzt.
Sind auch schon Veranstaltungen geplant?
Fußangel: Ja, am 9. Juli war unser erstes größeres Online-Event mit einem Vortrag von Prof. Dr. Marc Oliver Bettzüge. Er ist im Expertenrat für Klimafragen der Bundesregierung und Direktor des Energiewirtschaftlichen Instituts der Uni Köln. Mit solchen Formaten möchten wir möglichst viele Akteurinnen und Akteure aus unterschiedlichen Bereichen zusammenbringen.
Im September starten wir zudem mit der Online-Veranstaltungsreihe „Spotlights“. Dabei greifen wir aktuelle Themen auf und verbinden sie mit Praxisbeispielen, so dass vor allem Gründerinnen und Gründer, aber auch Forschende hilfreiche Impulse mitnehmen können.
Ergänzend setzen wir auf Networking auf Präsenzveranstaltungen wie dem Climate Innovation Forum am 16. September 2026, das wir mit dem Expert Hub Resources der RWTH Aachen Innovation zum Thema „The Future of Energy Systems“ durchführen. Damit möchten wir die innovative Start-up-Szene noch stärker mit der Wissenschaft vernetzen.
Das Fokuszentrum hat auch die Aufgabe, das Klimaschutzpotenzial von Start-ups an Hochschulen in NRW zu ermitteln. Dazu haben Sie ein spezielles Qualifizierungsprogramm entwickelt. Wie kann man sich das vorstellen?
Hellfritsch: Unsere Aufgabe ist es, die Gründungsberatungen in den Hochschulen dazu zu befähigen, das Klimaschutzpotenzial der von ihnen betreuten Gründungsvorhaben zu erkennen und zu bewerten. Zu diesem Zweck haben wir das Programm „Climate Impact Qualification“ entwickelt, das im Mai in die erste Runde gestartet ist.
Es wurde maßgeblich von unseren beiden wissenschaftlichen Partnern, dem Wuppertal Institut und EWI, konzipiert und inhaltlich ausgestaltet. Sie verantworten den Großteil der fachlichen Qualifizierung und vermitteln den Teilnehmenden das notwendige Handwerkszeug für die Beratungspraxis.
Das Programm besteht aus zehn je zweistündigen Seminaren, die im Zweiwochen-Rhythmus stattfinden. Bereits an der ersten Runde beteiligen sich 14 der insgesamt 37 Hochschulen in Nordrhein-Westfalen mit 42 Teilnehmenden – was uns natürlich sehr freut. Das Besondere dabei ist der enge Praxisbezug. Das Programm arbeitet mit elf Tandems, die jeweils aus einem Start-up-Coach und einem von ihm betreuten Gründungsteam bestehen. So können die Seminarinhalte direkt auf ein konkretes Geschäftsmodell angewandt werden.
Kommen wir noch einmal kurz auf das Klimaschutzpotenzial der Start-ups. Was genau ist damit gemeint?
Hellfritsch: Bei der Frage des Klimaschutzpotenzials von Start-ups unterscheiden wir zwischen Climate-Tech-Start-ups und allen anderen Gründungsvorhaben. Climate-Tech-Start-ups haben das unternehmerische Ziel, den Ausstoß von Treibhausgasen zu reduzieren oder klimafreundliche Technologien zu entwickeln. Dabei sollten sie frühzeitig einschätzen können, welchen konkreten Beitrag ihre Lösung zum Klimaschutz leistet. Wie viel CO2 kann durch ihre Lösung im Vergleich zu herkömmlichen Produkten oder Verfahren eingespart werden?
Die zweite und wesentlich größere Gruppe umfasst Start-ups, deren Geschäftsfelder in ganz anderen Bereichen liegen. Viele dieser Teams können meist noch gar nicht einschätzen, ob und welche Klimaschutzmaßnahmen sie umsetzen können. Hier muss geklärt werden, welche CO2-Minderungsmaßnahmen sich in das Geschäftsmodell integrieren lassen. Entscheidend ist, diese Frage möglichst früh anzugehen, damit Nachhaltigkeitsaspekte von Anfang an mitgedacht werden können.
Sie sagten, 14 Hochschulen beteiligen sich bereits an der ersten Runde des Qualifizierungsprogramms. Was hat sie dazu motiviert, mitzumachen?
Hellfritsch: Ich denke, der Hauptgrund ist die praxisnahe Ausrichtung der Programminhalte. Wir sind zunächst auf die Hochschulen zugegangen und haben anschließend alle Interessierten in einem Videocall über das Qualifizierungsprogramm informiert. Dabei haben wir, ergänzend zu unserer Bedarfsanalyse, ermittelt, wo die größten Herausforderungen liegen. Drei Themen standen im Mittelpunkt: Erstens, wie lässt sich der Klimaschutz- und Nachhaltigkeitsbeitrag in den Geschäftsmodellen von Gründungsteams nachweisen bzw. messen? Zweitens, die Finanzierung. Vor allem grüne Start-ups haben nach wie vor größere Hürden, eine Finanzierung zu erhalten, als herkömmliche Start-ups.
Der dritte Schwerpunkt war die Kommunikation. Wer sein Geschäftsmodell nachhaltig ausrichtet, muss diesen Mehrwert auch glaubwürdig gegenüber Investorinnen und Investoren, Kundinnen und Kunden sowie weiteren Stakeholdern vermitteln können. Nachhaltigkeit ist damit nicht nur ein inhaltliches Thema, sondern auch ein wichtiger Bestandteil der Unternehmenskommunikation.
Fußangel: Der letzte Punkt dürfte vor allem vor dem Hintergrund der EU-EmpCo-Richtlinie an Bedeutung gewinnen, die ab September in Kraft tritt. Sie soll Verbraucherinnen und Verbraucher besser vor Greenwashing schützen und verbietet unter anderem irreführende Umweltaussagen sowie intransparente Nachhaltigkeitssiegel. Für Unternehmen bedeutet das: Wer mit Nachhaltigkeit wirbt, muss seine Aussagen nachvollziehbar belegen können. Wie sie das tun können, lernen die Teilnehmenden unter anderem im Qualifizierungsprogramm und in unserer ersten Spotlights-Veranstaltung am 2. September 2026.
Das Fokuszentrum Climate Innovation.NRW an der Uni Köln ist seit sechs Monaten aktiv. Wie fällt Ihre Bilanz aus?
Hellfritsch: Wir sind sehr zufrieden. Ein großer Vorteil war, dass unser Team von Anfang an vollständig aufgestellt war und wir planmäßig zum 1. Januar 2026 starten konnten. Die Schwerpunkte und Formate, die wir entwickelt haben, werden gut angenommen. Darauf können wir Schritt für Schritt in den nächsten Monaten aufbauen.
Fußangel: Dem kann ich mich nur anschließen. Die Resonanz ist durchweg positiv und zeigt, dass der Bedarf an Austausch und Unterstützung hoch ist, auch wenn die Themen Nachhaltigkeit und Klima derzeit in der öffentlichen Debatte nicht die höchste Priorität haben.
Stand: Juli 2026